Tarif- und Besoldungsrunde 2019 mit der Tarifgemeinschaft der Länder

Teilhabe am Wachstum

Teilhabe am Wachstum

Ausgleich von Preissteigerungen

Ein Ziel gewerkschaftlicher Lohnpolitik 
ist der Ausgleich von gestiegenen Verbraucherpreisen – der Inflationsausgleich. Im Jahr 2016 wirkten sich Entgelterhöhungen besonders positiv aus, da die Inflationsrate mit 0,5 Prozent vergleichsweise gering war. Eine Ausnahme von kurzer Dauer, denn bereits im Folgejahr 2017 stiegen die Verbraucherpreise um 1,7 Prozent und damit wieder deutlich stärker an. Und das soll auch so bleiben: Für die 
Jahre 2018 und 2019 prognostizieren die Wirtschaftsinstitute jedoch eine Steigerung der Verbraucherpreise zwischen 1,6 und 2,0 Prozent.

Damit sich eine Entgelterhöhung für Beschäftigte auch spürbar auswirkt, müssen prozentuale Erhöhungen vereinbart werden, die deutlich oberhalb der prognostizierten Inflationsrate liegen.

Aufschwung setzt sich fort. Entwicklung Bruttoinlandsprodukt in Deutschland ver.di Teilhabe am Wachstum  – Aufschwung setzt sich fort. Entwicklung Bruttoinlandsprodukt in Deutschland


Der verteilungsneutrale Spielraum

Bei den Tarifforderungen von ver.di und anderen Gewerkschaften spielt der sogenannte „verteilungsneutrale Spielraum“ eine zentrale Rolle. Er beziffert jenen Wert, um den die Löhne und Gehälter binnen eines Jahres steigen müssen, damit die Verteilung des Volkseinkommens zwischen Arbeit und Kapital (und damit die Lohnquote) exakt gleich bleibt.

Der Anteil der Beschäftigten am gesamtwirtschaftlichen Kuchen bleibt dann unabhängig von der Größe des Kuchens gleich – die erzielten Entgelterhöhungen sind somit verteilungsneutral.

Berechnet wird der verteilungsneutrale Spielraum als Summe aus der jährlichen Preissteigerung sowie dem jährlichen Wachstum der Arbeitsproduktivität. Die Produktivität steigt, wenn die Beschäftigten in der gleichen Zeit mehr Waren oder Dienstleistungen schaffen oder für eine gleiche Menge an Waren oder Dienstleistungen weniger Zeit benötigen. Für den verteilungsneutralen Spielraum wird die Veränderung der Arbeitsproduktivität im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt berücksichtigt.

Für das Jahr 2019 erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute eine Inflationsrate von 1,6 bis 2,0 Prozent und einen Anstieg der Arbeitsproduktivität von 0,9 bis 1,2 Prozent. Der verteilungsneutrale Spielraum liegt also zwischen 2,5 und 3,2 Prozent.

2012 bis 2016 sind den Gewerkschaften Tarifabschlüsse gelungen, die im jährlichen Durchschnitt zu Lohnsteigerungen oberhalb des verteilungsneutralen Spielraums führten. So stiegen die Tariflöhne und -gehälter etwa 2016 um 2,4 Prozent, während der verteilungsneutrale Spielraum nur 1,8 Prozent betrug. 2017 allerdings lagen die Tarifabschlüsse mit durchschnittlich 2,4 Prozent wieder unterhalb des verteilungsneutralen Spielraums von 2,8 Prozent.

Umverteilung

Das Herstellen von Gerechtigkeit ist ein Grundwert gewerkschaftlichen Handelns - Gerechtigkeit auch mit Blick auf die Verteilung von Gewinnen und Vermögen.

Auch wenn die Entgelte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in den letzten Jahren wieder stärker gestiegen sind, 
so klafft gesamtwirtschaftlich bei der Entwicklung von Löhnen auf der einen Seite sowie Unternehmens- und Vermögenseinkommen auf der anderen Seite weiterhin eine Lücke – und zwar zum Nachteil der Beschäftigten. Während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen seit dem Jahr 2000 um 37 Prozent gestiegen sind, verzeichneten die Entgelte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lediglich ein Plus von zehn Prozent.

Um an dieser Verteilungsungerechtigkeit etwas zu ändern, müssen Entgelterhöhungen her, die oberhalb der Summe aus Inflationsrate und Produktivitätssteigerung liegen – oberhalb des sogenannten verteilungsneutralen Spielraums.

Schere zwischen Lohn und Profi immer noch weit offen. Preisbereinigte Entwicklung 2000 bis 2017. ver.di Schere zwischen Lohn und Profi immer noch weit offen  – Preisbereinigte Entwicklung 2000 bis 2017


Stärkung der Binnenkonjunktur

Gute Tarifabschlüsse stärken die Kaufkraft und somit auch die Wirtschaft im Land.

Die Wirtschaft wächst, wenn die Nachfrage nach Waren oder Dienstleistungen wächst. In den letzten Jahren war die inländische Nachfrage wesentlicher Wachstumstreiber, während die Bedeutung des Außenhandels für das Wachstum abgenommen hat und voraussichtlich noch weiter abnehmen wird. So nahmen zum einen die Staatsausgaben kräftig zu. Zum anderen wuchs aber insbesondere auch der private Verbrauch dank guter Lohnabschlüsse und niedriger Inflationsrate.

Weiterhin deutliche Lohnsteigerungen sind vor diesem Hintergrund wünschenswert, um die Binnennachfrage als Treiberin dieser guten Entwicklung weiterhin zu stützen. Durch höhere Löhne und Gehälter die Kaufkraft in Deutschland zu stärken, ist daher nicht nur gerecht, sondern auch wirtschaftspolitisch vernünftig.